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Geschichtliches über die Justizvollzugsanstalt Heimsheim

Völlig überraschend wurde die Stadt Heimsheim im Herbst 1978 mit einer vom Land Baden-Württemberg beabsichtigten Einrichtung konfrontiert, die den Heimsheimer Gemeinderat und die Bürgerschaft sehr stark beschäftigte. Das Land Baden-Württemberg beabsichtigte ein an der Autobahn Stuttgart-Karlsruhe gelegenes Grundstück zur Einrichtung einer Justizvollzugsanstalt zu kaufen. Als diese Kaufabsicht bekannt wurde, stieß sie bei der Stadt und bei den Bürgern auf strikte Ablehnung.
Während im Jahre 1978 davon die Rede war, bei Heimsheim eine Einweisungs- und Transportanstalt mit 400 Haftplätzen zu bauen, in der die Gefangenen auf Grund der besonderen Zweckbestimmung längstens 3 Monate verbleiben sollten, wurde im Jahre 1985 mitgeteilt, dass in Heimsheim ein Gefängnis gebaut werden sollte und zwar als Ersatz für das Ludwigsburger Gefängnis, das aufgelöst werden sollte. " So wird im Heimatbuch der Stadt Heimsheim über die Entscheidung
der Landesregierung von Baden-Württemberg zur Gründung der Justizvollzugsanstalt Heimsheim berichtet. Als Ersatz für die Ludwigsburger Vollzugseinrichtung wurde die Anstalt bei der Stadt Heimsheim bestimmt. Die vorhandenen Pläne wurden entsprechend der nun festgelegten Zweckbestimmung für eine Belegungsfähigkeit von rund 450 Haftplätzen, einschließlich der Transportzentrale Baden-Württemberg, modifiziert.
Die dem Neubau zugrunde liegende architektonische Konzeption sieht innerhalb einer knapp einen Kilometer langen Umfassungsmauer auf
dem etwa 6 Hektar großen Gelände zwei kreuzförmige Gefängnisunterkunftsgebäude, ein Werkstattgebäude für verschiedene Betriebe, ein Versorgungs- und Verwaltungsgebäude und eine Sporthalle mit einer Außensportanlage vor.Baubeginn war im Herbst 1986, im Mai 1990 wurde die Anstalt bezogen.
Im Jahre 1996 war der zusätzliche Ausbau eines Luftgeschosses zu einem Gefangenenunterkunftsbereich abgeschlossen. Das erweiterte Garagen- und Lagergebäude konnte im Herbst 2000 bezogen werden. Durch einen Anbau an ein Unterkunftsgebäude wurden zum Februar 2004 weitere 26 Haftplätze und Wohnküchen geschaffen.
Die Justizvollzugsanstalt auf dem Mittelberg bei Heimsheim ist allerdings nicht das erste Gefängnis, das sich auf dem Gebiet der Stadt Heimsheim befindet. Bereits im 19. Jahrhundert beherbergte das Graevenitz´sche Schloß in Heimsheim in den heutigen Räumlichkeiten der Stadtbücherei, das "örtliche Gefängniß zugleich als Stations Gefängniß", das "hierzu die erforderliche Sicherheit" gewährte, so die Oberamtsbeschreibung Leonberg 1843.

Im Mai 2000 wurde das 10-jährige Bestehen der Justizvollzugsanstalt Heimsheim gefeiert. Der Heimsheimer Bürgermeister Pfisterer meinte beim Festakt: "Es ist gelungen die Anstalt in das öffentliche Leben der Stadt Heimsheim zu integrieren".

Als Außenstelle gehört zu der Justizvollzugsanstalt Heimsheim die Vollzugseinrichtung in Ludwigsburg. In Ludwigsburg handelt es sich um eine Einrichtung des offenen Vollzugs, um ein Freigängerheim, das dort seit dem Jahre 1983 betrieben wird.

Erster Anstaltsleiter war für die ersten Monate nach Eröffnung Herr Ltd. Regierungsdirektor Maximilian Schumacher, der zum 1.1.1991 als Leiter in die Justizvollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim wechselte. Sein Nachfolger, Herr Ltd. Regierungsdirektor Hubert Fluhr, trat seinen Dienst 39-jährig als Leiter der JVA Heimsheim am 1.1.1991 an, wobei er diese durchgehend bis zum 30.09.2016 leitete. Herr Rafael Binkowski beschrieb am 27.4.2014 in der Stuttgarter Zeitung sowie der Leonberger Kreiszeitung die JVA Heimsheim seinerzeit treffend als „Kleinstadt“ mit „ihrer guten Seele“. Herrn Fluhr lagen die Gefangenen und ihre Behandlung stets am Herzen. Er kämpfte unermüdlich darum, dass die Insassen nicht rückfällig werden und ein anderes Leben führen. Sein großes Anliegen bestand auch darin, die Interessen des Strafvollzugs nach außen zu vertreten und in der Gesellschaft zu verankern. Er war stets bestrebt, die Anstalt nach außen zu öffnen und am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen, um Akzeptanz in der Öffentlichkeit zu schaffen. Örtlichen Vereinen gab er die Möglichkeit, die anstaltseigene Sporthalle zu nutzen. Kulturelle Veranstaltungen jedweder Art in der JVA Heimsheim waren ihm aus vielschichtigen Gründen wichtig. „Offenheit im Gefängnis“, diese vermeintliche „Paradoxie“ hatte er, so die Stuttgarter Zeitung“ „verinnerlicht“. Dem kann nur noch hinzugefügt werden, dass Herr Fluhr den Strafvollzug weit über zwanzig Jahre maßgeblich prägte und sein Fachwissen in zahlreichen Gremien landes- und bundesweit geschätzt war.




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